24.07.10 - 12.09.10
Galerie im Taxispalais
Maria-Theresien-Str. 45
A-6020 Innsbruck
www.galerieimtaxispalais.at
Im Stil der Dokufiktion entwirft Jana Gunstheimer Parallelwelten
und persifliert gesellschaftliche Zustände, die im Spannungsverhältnis von Reality Soaps
wie Big Brother und Überwachungs- und Disziplinierungsmaßnahmen der Gesellschaft
zwar unheimlich und abschreckend aber doch nicht unmöglich scheinen.
In ihrer Arbeit "Heiligsprechung", die erstmalig in Österreich in der
Galerie im Taxispalais zu sehen sein wird, stellt sie ein Projekt der
österreichischen Bundesregierung vor, die 1976 eine Staatliche Behörde
zur Kanonisation einrichtete, in Anlehnung an die katholische,
kirchenrechtliche Heiligsprechung. Österreichische Bürgerinnen und
Bürger konnten bei dieser Behörde für einen beträchtlichen finanziellen
Beitrag die „Heiligsprechung“ für sich oder auch andere beantragen.
Persönliche Eitelkeiten, religiöser Fanatismus und andere Beweggründe
veranlassten die BewerberInnen dazu, sich dem Eignungsverfahren zu unterziehen,
das tief in die Privatsphäre eingriff und einem dubiosen staatlichen Voyeurismus
unterlag. Obwohl die Behörde 1981 wieder geschlossen wurde, waren in dieser
Zeit 8625 Bewerbungen eingegangen, von diesen wurden allerdings nur drei
Personen in den Stand von Nationalhelden erhoben.
Ein quasi dokumentarisches Archiv macht scheinbare Beweise über die fiktive
Behörde zugänglich. Anträge, Briefe und täuschend echt gezeichnete Zeitungsberichte
sowie an schwarz-weiß Fotos erinnernde Aquarelle vermitteln Authentizität und geben
der Erzählung einen realen Anschein. Die Geschichte scheint absurd und doch nicht
abwegig im österreichischen Bürokratie- und Behördendschungel und in einem Land,
in dem die katholische Kirche maßgeblich zur kulturellen Sozialisierung beiträgt.
Jana Gunstheimer:
geboren 1974 in Zwickau, lebt und arbeitet in Jena. Sie studierte Ethnologie und
Kunstgeschichte an der Universität Leipzig sowie Bildende Kunst an der Hochschule
für Kunst und Grafik in Halle, in Athen und in Ohio. Sie ist Trägerin des Marion Ermer Preises
und hatte zahlreiche Stipendien, derzeit in der Villa-Massimo in Rom.
Ausstellungen: Galerie Römerapotheke, Zürich (2010), Galerie Charlie Smith London (2009),
Galerie Conrads, Düsseldorf (2008), Kunsmuseum Bonn (2008),
Württembergischer Kunstverein Stuttgart (2008),
The Art Institute of Chicago (2007),
Brandts Kunsthallen, Odense, DK (2006) etc.